1990-1994: Neuer Radweg entlang der L 159

9. August 2001 |

1989 war ich als junger Vater bereits mehrere Jahre im Arbeitskreis Dorferneuerung aktiv. In der Bevölkerung wurde der Ruf nach einem Radweg-Bau zwischen Ludwigslust, Otersen und Wittlohe immer lauter, weil zwischen 1960 und 1985 insgesamt sechs Tote vom 7-jährigen Jungen bis zum 85-jährigen Rentner entlang der Landesstraße L 159 zu beklagen waren. Mehrfach wurden Verkehrszählungen durchgeführt, aber es änderte sich nichts. Der Streckenabschnitt bei Otersen wurde beim Land Niedersachsen unverändert in die 3. Dringlichkeit eingestuft.

Bis 1994 gab es keinen Radweg entlang der L 159

Bis 1994 gab es keinen Radweg entlang der L 159

Sechs Tote in 25 Jahren waren mindestens 6 Tote zuviel, die Verkehrssicherheit musste unbedingt verbessert werden – dachte ich mir und habe mich engagiert. Im Nachbar-Landkreis Rotenburg ging man zu jener Zeit bereits neue Wege: Gemeinden und Landkreis ROW beteiligten sich an der Finanzierung von Radwegen entlang der Landesstraßen. Dieses „Rotenburger Modell" mit seiner Misch-Finanzierung könnte auch für Otersen-Wittlohe die Lösung sein. Im Februar 1990 nahmen wir mit vielen Einwohnern an einer Sitzung des Kreistages teil. Dort erhielten unsere Hoffnungen jedoch einen Dämpfer: „Fall Otersen ist Landesangelegenheit", titelte eine Zeitung, nachdem die Kreistagsmehrheit uns einen Korb gegeben hatte.

Die CDU-Fraktionen im Gemeinderat und im Kreistag unterstützen jedoch den Vorschlag, mit einer Kostenbeteiligung von Gemeinde (15 %) und Landkreis (35%) den Radweg zu realisieren. Weil jedoch die Kreistagsmehrheit ablehnte, erhöhten wir den Druck.

Meine Aktivitäten und die Ereignisse im Überblick:

  • Im März 1990 habe ich eine Unterschriften-Sammlung in Otersen und Wittlohe organisiert.
  • Bis Ende März 1990 konnte ich 522 Unterschriften sammeln, 80 Prozent der Einwohner beider Dörfer waren meinem Aufruf gefolgt
  • Ende März 1990 habe ich in einem 3-seitigen Schreiben an das Niedersächsische Verkehrsministerium den Radweg-Bau gefordert und nachdrücklich auf die sechs Toten verwiesen
  • Am 26.4.1990 beschloss der Gemeinderat Kirchlinteln (dem ich damals noch nicht angehörte) mehrheitlich eine Kostenbeteiligung in Höhe von 15 % – unser 1. Erfolg
  • Ende Mai 1990 folgte der 2. wichtige Schritt: Auf Antrag der CDU-Kreistagsfraktion beschloss der Kreisausschuss des Landkreises Verden eine Kostenbeteiligung i.H. von 35 %
  • Am 6.7.1990 bestätigte der Kreistag diese Entscheidung „aufgrund der besonderen Gefahrenlage als Einzelfallentscheidung"

Die Gesamtfinanzierung schien auf einem guten Weg – aber Ende 1990 gab es überraschend Verwirrungen. Der Landkreis hatte für 1991 keine Finanzmittel im Kreis-Haushalt bereitgestellt und das Land Niedersachsen wollte nun plötzlich alleine finanzieren, aber nur den Abschnitt zwischen Wittlohe und Otersen.

  • Mit Eingaben vom 19.12.1990 an Land, Kreis und Gemeinde bin ich dann erneut massiv aktiv geworden. Um den drohenden Verzicht auf das Teilstück Otersen-Ludwigslust abzuwenden, habe ich im Dezember 1990 das „Oterser Modell" für die beiden etwa gleich langen Teilstücke vorgeschlagen: Das Land sollte das Teilstück Wittlohe-Otersen zu 100 % alleine finanzieren (50 % der Gesamtkosten), während Landkreis und Gemeinde mit 35 % bzw. 15 % der Gesamtkosten das Teilstück Otersen-Ludwigslust finanzieren – so mein Vorschlag
  • Im Februar 1991 dann der Durchbruch: Mit Schreiben vom 18.2.1991 teilte das Niedersächsische Verkehrsministerium mit: „Nachdem die Entscheidung gefallen ist, …… könnte auch der Radweg an der L 159 zwischen Otersen-Ludwigslust und Wittlohe ab 1992 im Rahmen eines Modellvorhabens realisiert werden„.
  • Weiterer Schriftwechsel zur Beseitigung letzter Unsicherheiten und ein Gespräch beim Straßenbauamt in Verden folgte
  • 1992 liefen die Bauplanungen und 1993 wurde mit den Grundstückseigentümern verhandelt, um die für den Radweg erforderlichen Flächen zu erwerben. Die Bezirksregierung Lüneburg musste die Freistellung von einem Planfeststellungsverfahren erteilen ….
  • …. und im Herbst 1993 war es dann endlich soweit: DER BAU DES RADWEGES BEGANN !
  • Gleich nach der Fertigstellung des Radweges im Juni 1994 feierten wir am Sonntag, 19. Juni 1994 ein großes Radweg-Einweihungsfest. Über 150 Kinder, Frauen und Männer nahmen zum Auftakt an einem großen Fahrrad-Corso zwischen Ludwigslust und Wittlohe.

Nach meinem mehrjährigem, teilweise hartnäckigem Einsatz freue ich mich jedes Mal, wenn ich junge Mütter mit Kinderwagen, Kinder auf Fahrrädern, Senioren zu Fuß oder per Rad und die vielen Radwanderer auf dem Radweg zwischen Wittlohe, Otersen und Ludwigslust sehe. Mein damaliger Einsatz hat sich eben gelohnt. Wir müssen eben viel tun, um unsere Ziele verwirklichen zu können.

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