20 Jahre Dorfladen – Ein ehrenamtlicher Nebenberuf

2. April 2021 |

Im Sommer 2000 teilte mir Irene Schlüter mit, das sie 2001 aus Altersgründen ihren Edeka-Laden schließen wird. Otersen ohne Nahversorgung bedeutete 8 km Fahrt bis zum Brötchen-Einkauf und 12 km Fahrt bis zum nächsten Supermarkt. Wollten wir das? Nein – möglichst nicht! Als Mitglied im Gemeinderat fühlte ich mich für die Zukunft verantwortlich und startete eine Initiative, gründete einen Arbeitskreis und wir beschäftigten uns mit Chancen und Risiken und bezogen die Bevölkerung mit ein. Hätte ich damals gewusst, wie sehr das Thema „Sicherung der Nahversorgung“ künftig mein Leben, meine Freizeit verändern würde, hätte ich vielleicht meine Füße & Hände still gehalten. Habe ich aber nicht …. und so ist daraus ein „ehrenamtlicher Nebenberuf" geworden. Heute blicken wir auf „20 Jahre Dorfladen – Eine soziale Selbsthilfeeinrichtung von Bürgern für Bürger" zurück – 20 Jahre nach der Eröffnung am 1.4.2001.

Am 6.12.2000 kam es in der 3. Bürgerversammlung = Gründungsversammlung zum Schwur. 70.000 DM Eigenkapital „von Bürgern für Bürger“ waren für die Gründung eines bürgerschaftlich geführten Dorfladens als Selbsthilfeeinrichtung erforderlich. Am 6.12.2000 habe ich im vollbesetzten kleinen Saal bei Wecks Chancen und Risiken aufgezeigt und klar gesagt: „Ihr müsst im schlimmsten Fall damit rechnen, das euer eingezahltes Geld (z.B. 500 DM für 1 Dorfladen-Anteil) weg ist“.

„Ja – das haben wir verstanden. Aber dann wollen wir solange wie möglich was von unserem Geld haben“, betonte ein Einwohner, dem das „Risiko“ bewusst war. 103.000 DM Eigenkapital war am 6.12.2000 das Ergebnis! In diesen Tagen, 20 Jahre nach der Dorfladen-Eröffnung am 1.4.2001 blicke ich zufrieden zurück: 20 Jahre haben wir inzwischen eine „Rendite“ von unserem Kapitaleinsatz gehabt – nicht %%, sondern LEBENSQUALITÄT.

20 Jahre nach der Eröffnung UNSERES Dorfladens „von Bürgern für Bürger“ und 10 Jahre nach dem Umzug aus den gemieteten Räumen „Steinfeld 21“ in unser Eigentum „Steinfeld 9“ ist es nicht zum Naturgesetz geworden, das es in Otersen weiterhin und auch in 5, 10 oder 20 Jahren noch ein Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment gibt. Es ist eine Besonderheit, das es in unserer aus 8 Dörfern bestehenden Dorfregion „von Bierde bis Wittlohe“ unseren Dorfladen als letzten seiner Art noch gibt. Das ist nur dem großartigen Einsatz vieler Menschen zu verdanken, die Eigenkapital eingebracht, Eigenleistungen erbracht haben und regelmäßig ihre Einkäufe vor Ort erledigen. Dafür sage ich im Namen unseres Dorfladen-Vorstandes HERZLICHEN DANK. Ebenso ist allen Mitarbeiterinnen herzlich zu danken, die Tag für Tag, in der Regel „vor 6 Uhr“ den Laden aufschließen und unseren letzten Nahversorger – unseren letzten Dorf-Mittelpunkt „am Laufen halten“ Tag für Tag von Montag bis Sonntag. In den zurückliegenden 20 Jahren haben wir viele Höhen und Tiefen erlebt.

Getreu dem Motto „… nur wer aufgibt hat verloren“ haben wir zahlreiche Herausforderungen gemeistert und nur deshalb können wir heute auf „20 Jahre Dorfladen“ zurückblicken. Eigentlich sind wir gut aufgestellt, weil wir uns immer weiterentwickelt und verbessert haben: Seit 2011 Dorfladen-Immobilie im Vereins-Eigentum – 2018 Erneuerung der gesamten Kältetechnik – 2021: 2. Photovoltaik-Anlage, bauliche Erweiterung usw. – aber: das allein wird nicht reichen. Die Herausforderungen werden in der Zukunft größer werden, als sie in der Vergangenheit waren. Energiekosten und Personalkosten steigen von Jahr zu Jahr und schneller und deutlicher, als wir unsere Umsätze und Erträge steigern können. Folge: Unterm Strich bleibt weniger, wird aus einer „schwarzen Null“ (Kostendeckung) eine „rote Null“ – ein Verlust – der sich erhöht, wenn wir nicht gegensteuern (was wir tun).

Die Zukunft werden wir nur GEMEINSAM meistern. Wenn wir zusammenhalten und unsere Einkäufe im Dorfladen tätigen – nicht nur die Vergessen-Artikel, nicht nur die Sonderangebote. Wer heute und morgen unseren Dorfladen mit 2.500 verschiedenen Artikeln im Vollsortiment nicht zu schätzen weiß, darf sich mit 70 oder 80 nicht beklagen, wenn es den Dorfladen dann nicht mehr gibt und aus NAHversorgung WEIT ENTFERNT-Versorgung geworden ist.

Wir alle, alle Einwohnerinnen und Einwohner in unseren Dörfern haben es selbst in der Hand – mit unserem Einkaufsverhalten.

Weitere Informationen zu unserem Gemeinschafts-Werk Dorfladen, dem ich als 1. Vorsitzender vorstehen darf, sind auf unserer Internetseite www.dorfladen-otersen.de zu finden.

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