Büchereien: „Lesen ist wie Reisen …"

25. Februar 2011 |

Lesen ist wie Reisen, aber ohne vor die Türe zu gehen" habe ich in einer Präsentation der Gemeinde Weyarn zur Bürgerbeteiligung gelesen. In der 3.400 Einwohner zählenden Gemeinde 35 km südöstlich von München ist Michael Pelzer (ehemals SPD, jetzt parteilos) Bürgermeister. 2007 habe ich den hauptamtlichen Bürgermeister Weyarns als Vorsitzenden der Bewertungskommission für den Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" kennen und schätzen gelernt. Durch ehrenamtliches Engagement ist in Weyarn eine Bücherei als „Treffpunkt für alle Generationen" entstanden, die nicht nur mit der Schule, sondern auch mit dem Kindergarten kooperiert. Nach nur einem Jahr ehrenamtlichen Engagements hatte der Bücherei-Verein 500 Mitglieder und 5.000 Medien in der Bücherei. 20 ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen sind in der Bücherei aktiv.

In Zeiten des Demografischen Wandels, in denen wir immer älter werden und die finanziellen Mittel für die ländlichen Kommunen offensichtlich immer knapper werden, müssen wir stärker denn je Netzwerke im ländlichen Raum knüpfen, über Gemeinde- und Landesgrenzen hinweg schauen und von einander lernen. Im bayerischen Weyarn setzt man schon seit Jahren auf Bürgerbeteiligung und Eigenengagement und betreibt beispielsweise die Bücherei ehrenamtlich – während wir im niedersächsischen Kirchlinteln unsere Schul- und Gemeindebücherei noch zu 100 % mit zwei hauptamtlichen Kräften mit jeweils einer „Viertel-Stelle" betreiben.

„Lesen …. ohne vor die Türe zu gehen" … praktiziere ich gerne im World wide web – Im Internet interessiere ich mich insbesondere für gute Modellprojekte und Themen, die das Leben in unseren Dörfern lebenswerter und zukunftssicherer machen. Zum Thema Bücherei bin ich dabei auf folgende Fakten gestoßen:

Von den 12.000 öffentlichen Bibliotheken werden

  • knapp 57 Prozent von den Kommunen, also von Städten und Gemeinden
  • 42 Prozeznt von kirchlichen Trägern

betrieben.

Von den Beschäftigten in den öffentlichen Büchereien arbeiten

  • 22 Prozent in den kommunalen Büchereien und
  • 98 Prozent (!!) in den kirchlichen Büchereien

ehrenamtlich.

In allen kommunalen Bibliotheken engagieren sich knapp 4.300 ehrenamtliche Mitbürgerinnen und Mitbürger – davon 3.900 oder relativ rund 90 % der „Ehrenamtlichen" im ländlichen Raum.

Quelle:  Institut für Kulturpolitik, Bonn – www.kupoge.de/ifk/ehrenamt/bibliotheken/bibliothek.htm.

Am 23. Februar haben wir von der CDU Kirchlinteln ein konstruktives Gespräch mit den beiden engagierten Bücherei-Mitarbeiterinnen Heilwig Dyck und Ingrid Albrecht in der Schul- und Gemeindebücherei geführt. Wenn unpopuläre Kürzungen und Einsparungen notwendig sind, geht man als verantwortungsbewußter Kommunalpolitiker – besser: Bürgervertreter – in ein solches Gespräch. Wichtig ist dabei ein sachorientierte, gute Vorbereitung.  „Droht der Bücherei in Kirchlinteln das Aus" – solche und andere Schlagzeilen bestimmten im Februar die Presse-Berichterstattung. Wer aber schaut, wie es in anderen ländlichen Gemeinden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft läuft, wird wieder einmal feststellen, das die Angebote und damit die Lebensqualität in unserer Gemeinde auf hohem Niveau bzw. hoch sind. In anderen ländlichen Gemeinden betragen die Öffnungszeiten pro Woche

  • 2,5 Stunden
  • 3,0 Stunden
  • 5 Stunden
  • 5,5 Stunden und
  • 12 Stunden (in Kirchlinteln und Thedinghausen)

Auch nach der von Bürgermeister Wolfgang Rodewald vorgeschlagenen Kürzung der Personalaufwendungen wäre das Bücherei-Angebot in Kirchlinteln mit 8 Stunden wöchentlicher Öffnungszeit vergleichsweise gut – und kann entsprechend unserer Empfehlung durch einen Förderverein und bürgerschaftliches Engagement auf dem bisherigen, sehr guten Niveau erhalten werden. Einen ausführlichen Bericht haben wir auf der CDU-Homepage veröffentlicht.

Zurück in den Süden – nach Weyarn in Bayern. Ebenso wie in meinem Heimatdorf Otersen gibt es auch in Weyarn einen von einer Bürger-Genossenschaft geführten Dorfladen zur Sicherung der Nahversorgung und örtlichen Lebensqualität. Wenn wir im ländlichen Raum – in Bayern ebenso wie in Niedersachsen – den Brandschutz mit ehrenamtlichen Feuerwehrleuten sicherstellen, die Nahversorgung durch Bürgergesellschaften absichern und Ehrenamtliche auch Bürgerbusse durch die Dörfer steuern – dann sollte es doch auch möglich sein, mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Kräften Büchereien zukunftssicher zu machen.

Weyarns Bürgermeister Michael Pelzer hat das jedenfalls mit seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in vorbildlicher Weise geschafft. Gerne erinnere ich mich an den Besuch des „Bayern im Norden" im September 2007 in Otersen zurück. Im Januar 2008 durfte ich gemeinsam mit Bürgermeister Michael Pelzer auf der Land-Schau-Bühne bei der Int. Grünen Woche in Berlin über Zukunfts-Chancen im ländlichen Raum diskutieren – moderiert von der NDR-Fernsehmoderatorin Heike Götz.

Michael Pelzer, NDR-Moderatorin Heike Götz und Günter Lühning

Michael Pelzer, NDR-Moderatorin Heike Götz und Günter Lühning im Januar 2008 in Berlin auf der Land-Schau-Bühne der Grünen Woche

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