Dorfläden stehen vor großen Herausforderungen

31. Januar 2017 |
In Berlin durfte ich den Dorfladen Klausen aus Rheinland-Pfalz als "Dorfladen des Jahres" 2017 auszeichnen.

In Berlin durfte ich den Dorfladen Klausen aus Rheinland-Pfalz als „Dorfladen des Jahres" 2017 auszeichnen.

Berlin. „Dorfläden sorgen für Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit von Dörfern“ – „Sie sind Anker in der Dorfentwicklung und sorgen auch für Zuwachs im Dorf“ – betonten die beiden Vorsitzenden der Dorfläden-Bundesvereinigung Günter Lühning (Otersen) und Wolfgang Gröll (Bayern) beim 10. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung des Bundesministeriums BMEL und auf der LandSchau-Bühne der Int. Grüne Woche in Berlin. „Wir Bürger-Läden stehen aber auch vor großen Herausforderungen und benötigen zu deren Bewältigung eine stärkere Unterstützung von Bund und Land“, so Günter Lühning in Berlin.

Mit der Veranstaltung „Dorfläden – Anfangen wo andere aufhören“ präsentierte sich die erst vor einem Jahr in Berlin gegründete „Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden“ (kurz: „BmD“) beim 10. Zukunftsforum „Ländliche Entwicklung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). In seinem Impulsvortrag verwies Günter Lühning auf den drastischen Rückgang der Lebensmittelgeschäfte von 160.000 auf unter 38.000 in weniger als 50 Jahren. Immer öfter wollen sich engagierte Bürger und Kommunalpolitiker auf dem Lande von den großen Konzernen nicht vorschreiben lassen, wie weit sie zu den immer größer werdenden Märkten fahren müssen, teilweise sogar 10 oder 15 Kilometer. Als Gegenbewegung haben sich weit über 200 Bürgerläden gegründet – Tendenz steigend. Diese Bürgerläden sorgen oftmals für eine Verbesserung der Infrastruktur im Dorf und der Einwohnerschwund könne gestoppt, teilweise sogar zum Einwohnerzuwachs gewandelt werden, so Lühning.

Bestes Beispiel sei Bolzum, 20 km südöstlich von Hannover. Im 1.300 Einwohner zählenden Dorf gab es vor wenigen Jahren weder Einkaufsmöglichkeiten noch Gasthäuser – einziger verbliebener Treffpunkt war der Friedhof. Dann nahmen die Einwohner ihr Schicksal selbst in die Hand – „Eigeninitiative statt Unterversorgung“ war das Motto. Im März 2014 wurde der neue Dorfladen mit schmuckem Café eröffnet. „Wir schreiben bereits schwarze Zahlen. Nach der Dorfladen-Eröffnung hat sich inzwischen ein kleines italienisches Restaurant angesiedelt. Der AWO-Kreisverband baut jetzt gegenüber dem Dorfladen eine Wohnanlage mit mindestens 15 Senioren-gerechten Wohnungen – völlig untypisch für ein kleines Dorf. Der AWO-Kreisverband hat seine Investitionsentscheidung mit dem vorhandenen Dorfladen begründet, weil sich in Bolzum alle Generationen eigenständig versorgen können“, betonte Frauke Lehrke aus Bolzum auf der LandSchau-Bühne in Berlin.

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Im Interview mit der NDR-Fernsehmoderatorin Heike Götz berichteten Frauke Lehrke und Michaela Oldeweme aus Bolzum bei Hannover über die positive Dorfentwicklung seit der Eröffnung des Bürgerladens im März 2014: „Dorfläden sorgen auch für einen Zuwachs an Infrastruktur und für Lebensqualität für die Einwohner“, hieß es auf der LandSchau-Bühne der Int. Grüne Woche in Berlin.

„Unsere Dorfläden mit dem Lebensmittel-Vollsortiment, vielen Dienstleistungen und immer öfter einem Café als Treffpunkt unter einem Dach sind multifunktional und erfüllen aufgrund ihrer sozio-kulturellen Funktion die Kriterien für „Mehrfunktionshäuser“ und „Mehrgenerationenhäuser“. Aufgrund von ständig steigenden Energiekosten und steigenden Personalkosten durch Entscheidungen des Bundes stehen wir Dorfläden jedoch unter zunehmenden Druck“, räumte BmD-Vorsitzender Günter Lühning in Berlin ein. Lühning erinnerte an die Vereinbarung der CDU-SPD-Bundesregierung im Koalitionsvertrag, Dorfläden fördern zu wollen – „davon spüren wir bisher in der Breite allerdings nichts“, kritisierte der Vorsitzende der Bundesvereinigung mit Mitgliedsbetrieben aus acht Bundesländern, die ihre Mitgliederzahl im Jahresverlauf auf 100 verdoppeln will. „Wir werden jetzt den Dialog mit Ministerien und der großen Politik anstreben“, so Lühning.

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