Nahversorgung und „Allianz für Innenstädte"

16. April 2016 |

2016_Vortrag DStGB_Hannover_04_13_PDFAm Mittwoch habe ich in Hannover an einer Veranstaltung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) und des Handelsverband Deutschland (HDE) teilgenommen und auf Einladung des DStGB im Anschluss an die Bau- & Planungs-Dezernentin aus Isernhagen und einem REWE-Expansionsmanager aus Köln einen Vortrag gehalten. Der DStGB hatte mir folgendes Thema vorgegeben: „Dorfläden – eine Alternative im ländlichen Raum?".

Mit Blick auf den zunehmenden Online-Handel, die drohende Verödung der Innenstädte und die befürchtete Schließung von 50.000 innerstädtische Läden bildeten Handel und Kommunen – vertreten durch den Handelsverband HDE und den Deutschen Städte- und Gemeindebund DStG – am 13. April 2016 in Hannover die „Allianz für Innenstädte". Mehr zu dem Thema: www.hde.de/index.php/presse/aktuellemeldungen/item/126480-dstgb-und-hde-handel-und-kommunen-bilden-innenstadt-allianz-%E2%80%93-ver%C3%B6dung-der-innenst%C3%A4dte-stoppen

Aus den Vorträgen der Bau- & Planungs-Dezernentin aus Isernhagen und des REWE-Expansionsmanagers aus Köln habe ich einige Erkenntnisse aus Hannover mitgenommen:

  • Kommunen müssen planungsrechtlich die Rahmenbedingungen schaffen, um zukunftsfähige Nahversorgung für die Bevölkerung zu ermöglichen
  • Vollsortimenter bieten 15.000 bis 20.000 verschiedene Artikel – Discounter dagegen nur 800 bis 2.000
  • Aldi schafft eine Flächen-Produktivität von bis zu 9.000 € Jahresumsatz pro qm Verkaufsfläche
  • Vollsortimenter-Supermärkte 4.000 bis 5.000 € Verkaufsumsatz jährlich pro qm Verkaufsfläche
  • Um die Angebots-Vielfalt bieten zu können, benötigen die Vollsortimenter der Zukunft 1.500 qm statt 800 qm Verkaufsfläche
  • Viele Supermarkt-Immobilien sind aufgrund Größe und energie-technischem Standard veraltet – Abriss und Neubau statt Sanierung ist oftmals die wirtschaftlichere Alternative für die Betreiber

In der Reihenfolge der Vorträge folgte dem Manager der großen REWE aus Köln dann der Vorsitzende des kleinen Dorfladens aus Otersen 😉

Vortrag für DStGB_2016_04_13aIn meinem 30-minütigen Vortrag bin ich

  • auf das Ladensterben seit den 1970er Jahren von 160.000 auf unter 38.000
  • die Unterversorgung von 8 Mio. Bundesbürgern
  • immer öfter „weit entfernt"-Versorgung statt Nahversorgung
  • die Nahversorgungs-Alternativen für die Menschen auf dem Lande

eingegangen.

Die an mich gerichtete Themen- und Fragestellung des DStGB „Dorfläden – eine Alternative im ländlichen Raum?" habe ich mit einem eindeutigen JA beantwortet, weil

  • (leider) Inhaber-geführte LEH-Geschäfte immer öfter aus Altersgründen oder wirtschaftlichen Gründen schließen
  • Mobile Verkaufswagen kaum eine vollwertige Nahversorgung gewährleisten können
  • der Internet-Handel mit Lebensmitteln stationäre Geschäfte nicht ersetzen kann
  • Bürger-Dorfläden nicht nur Einkaufsstätten, sondern auch Kommunikations-Zentren in den Dörfern sind
  • die Nahversorgung (statt Unterversorgung) wichtig für die Lebensqualität der Menschen und die Zukunftsfähigkeit des Dorfes ist

Im weiteren Verlauf meines Vortrages habe ich über die vielfältigen Konzepte von bürgerschaftlich organisierten Dorfläden in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz berichtet.

Vortrag für DStGB_2016_04_13b

 

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