„Selbst bestimmt und gut versorgt alt werden im Heimatdorf“

15. Dezember 2018 |

Auf Einladung des Paritätischen Gesamtverbandes habe ich als Dorfladen-Vorsitzender am 14.12.2018 in Kassel einen Vortrag mit dem Titel „Selbst bestimmt und gut versorgt alt werden im Heimatdorf“. Bei der zweitägigen Fachtagung „alt – einsam – isoliert!?“ sollten Wege zur Teilhabe beschrieben und gefunden werden.

Im Internet-Portal www.dorfladen-netzwerk.de wurde wie folgt darüber berichtet.

„Günter Lühning, Vorsitzender der Dorfladen-Bundesvereinigung beschrieb dabei den vor 18 Jahren gegründeten Dorfladen „von Bürgern für Bürger“ in seinem Heimatdorf Otersen mit dem 2011 eröffneten Mehrgenerationen-DorfCafé und berichtete über fast 300 Bürgerläden dieser Art in weiteren Bundesländern, die längst zu „DORFbegegnungsLÄDEN“ geworden seien.

Erstmals stellte Günter Lühning in Kassel die Vision für ein Senioren-gerechtes Dorf mit neuen Angeboten – auch für die ganze Dorfregionen – vor. Ein Dorf mit Senioren-gerechten Wohnungen, Service-Leistungen nach Bedarf, Tagespflege für Senioren und dem Dorfladen mit Café, denn der sei tägliches Fundament für „Selbst bestimmt und gut versorgt alt werden“ in vertrauter Umgebung.

Ein gutes Beispiel dafür sei Bolzum süd-östlich von Hannover, betonte Günter Lühning in Kassel. Dort wurde 2015 ein neuer Bürgerladen eröffnet. Deshalb baut die AWO im 1.300 Einwohner zählenden Bolzum jetzt Senioren-Wohnungen und eine Tagespflege, weil sich dank des Dorfladens Senioren in Bolzum selbstbestimmt versorgen können.

In Otersen sei der Neubau von Senioren-gerechten Wohnungen gleich hinter dem Dorfladen geplant und für die Einrichtung einer Tagespflege bietet sich der ehemalige, seit zwei Jahren leerstehende Gasthof an, in dem auch ein Kultur- und Veranstaltungszentrum im alten Saal entstehen soll. Weitere Räumlichkeiten im früheren Niedersachsenhof könnten für neue Sportangebote genutzt werden. Eine Kooperation mit dem „Dorfhaus Alte Schule“ auf dem Nachbargrundstück sei wünschenswert. Im alten Schulgebäude von 1880 wird eine Kindertagesstätte und ein vielfältig genutzter Sport- und Gymnastikraum betrieben.

Von anderen Experten wurde bei der Fachtagung in Kassel empfohlen, die Generationen stärker zusammen zu führen, um Einsamkeiten bei den Senioren zu reduzieren.

In seinem Vortrag in Kassel machte Günter Lühning deutlich, dass es sich bei den „Dorfläden – von Bürgern für Bürger“ um Selbsthilfe-Einrichtungen handele. Es gehe dabei nicht allein um den Bezug von Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs, sondern engagierte Mitarbeiter würden auch das wichtige Lebensmittel „Menschlichkeit“ verkaufen. Weil Dorfläden, meist mit angegliedertem Café und Dorftreff-Charakter eine wichtige sozio-kulturelle Funktion hätten, müssten diese mit großem ehrenamtlichem Engagement betriebenen Selbsthilfeeinrichtungen eigentlich als gemeinnützige Einrichtungen anerkannt werden, forderte Günter Lühning im Tageszentrum „Haus der Kirche“ in Kassel. Ohne die staatliche Anerkennung der Gemeinnützigkeit seien die fast 300 Bürgerläden aber leider benachteiligt, bedauerte der Dorfladen-Bundesvorsitzende".

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